In die Nordeifel, von manchem Zeitgenossen früher wenig schmeichelhaft als Sibirien Westdeutschlands bezeichnet, führte die dreitägige Fahrt des Wirtschaftskollegiums Kassel (WKK) im September.

Die Organisatoren, Dr. Heidemarie Krüger und Dirk Waninger, hatten die Exkursion unter das Motto „Schlösser und Schaufelradbagger“ gestellt. Die erwähnten riesigen Maschinen, die dazu beitragen, den Energiehunger unseres Industriestandorts zu stillen, beeindruckten die Nordhessen, als sie den Braunkohlentagebau Garzweiler besichtigten. Westlich von Grevenbroich gelegen, entwickelt er sich in Richtung Erkelenz. „Die Kohle hat sich in drei Flözen abgelagert, die zusammen 40 Meter stark sind“, so RWE-Sprecher Josef Gromadzki. Sie dient zur Stromerzeugung in den Kraftwerken. Um die
Energieversorgung zu sichern, wurde der Tagebau 2006 in das Anschlussfeld Garzweiler II fortgeführt. Dort lagern 1,3 Milliarden Tonnen Braunkohle, die bis 2045 abgebaut werden sollen.

Wo die Zeit stehengeblieben ist In Euskirchen besichtigte das Kollegium die Tuchfabrik Müller. „An dem außergewöhnlichen Ort scheint die Zeit stehengeblieben zu sein“, fand nicht nur York Hilgenberg. Nach jahrzehntelangem Dornröschenschlaf war die Fabrik wieder zum Leben erweckt worden – als Museum, das die Blütezeit der Tuchindustrie lebendig werden lässt. Beim Rundgang begannen Maschinen zu
surren und demonstrierten lautstark, wie aus loser Wolle fertiges Tuch wird.

Live war zu sehen, wie die Krempelmaschine Wolle kämmt, die Spinnerei daraus Fäden macht, die Webstühle klappern und die Schiffchen hin- und herschießen. Die Ausstellung berichtet von der Wolle, ihren Farben, Mustern sowie der Kleidung, die einst aus Wolltuch entstand. Einblicke in die Schlösser Paffendorf und Augustusburg, Eindrücke vom Nationalpark Nordeifel sowie Monschau und eine Fahrt mit der Oleftalbahn nach Schleiden rundeten das Programm ab. In der Schleidener Schlosskirche erlebten die Kaufleute und Manager ein stimmungsvolles Orgelkonzert. „Das waren emotional großartige Momente“, konstatierte Holger Engelhardt.

Übrigens: Zur nächsten Veranstaltung kommt das Kollegium am 15. Oktober zusammen, um sich mit dem angestrebten Transatlantischen Freihandelsabkommen zu beschäftigen. Für den 21. November ist ein Gänseessen vorgesehen. Wer Kontakt zum WKK aufnehmen möchte, findet Infos unter  www.wirtschaftskollegium-kassel.de

Bericht von Rainer Lomen
im Bernecker-Magazin Jerome